Springe zum Inhalt →

stationen, alt

Keine Bewertungen, sondern nur die Fakten, über die ich aktuell verfüge.

Mein Vater ist am 27.07.1910  in Heddesheim geboren. Er studierte Medizin in Heidelberg und promovierte dort 1932.

1936 war er in Berlin an der II. Medizinischen Poliklinik in Berlin,
ab Mai 1942 an der Chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße 7 als wissenschaftlicher Assistent tätig.

Aus den Entnazifizierungsunterlagen ergibt sich Folgendes:

1932 / 34 Student (aber 1932 promoviert?)
Von 1933 bis 1934 Mitglied der SA,
von 1937 bis 1939 Mitglied im NSFK, dem NS-Flieger-Korps, als Sanitäts-Truppenführer,
Mitglied im NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) von 1937-1939,
im NS-Ärztebund von 1938 bis 1939.

Im November 1939 eingezogen, bis dahin wissenschaftlicher Assistent.

Februar 1940 Oberarzt in San. Corps der Luftwaffe.

Ab Januar 1941 wieder in Berlin? Eventuell ein Zusammenhang mit dem Vermerk vom 28.10.41, dass die Feldpostnummer nicht mehr stimmt.

Ab 1. 12. 1943 Stabsarzt der Reserve bei der Luftwaffe, Luftgau III (?)

Auf Wunsch von Paul Rostock unterstütze er diesen ab 1943 bei dessen Tätigkeit in der „Abteilung Wissenschaft und Forschung beim Generalkommissar für Medizin und Gesundheit (Karl Brandt)“, ab 1944 arbeitete er in dieser Funktion als Assistent ganz für Rostock.

Er wurde von der Kommission in Aurich in die Kategorie V eingestuft, dann am 24.8.1950 von der Zentralspruchkammer Nord-Württemberg in Stuttgart in die Kategorie IV ohne Sanktionen mit dem Zusatz eingestuft, dass gemäß §§ 2ff der Verordnung über dAufhebung der erneuten Überprüfung der Entnazifizierungsentscheidung vom 30. Juni 1949 in die Kategorie V überführt wird, wodurch er die Rechtsstellung eines in Kategorie V der britischen Zone Eingereihten erhielt.

Alle seine Mitgliedschaften enden angeblich 1939. Was im Widerspruch dazu zu stehen scheint:

Er arbeitete als Assistent mit Professor Paul Rostock, der bei uns zuhause immer nur „Onkel Paul“ hieß. Assistent war er auch bei Professor Heinz Kalk und Professor Ludwig Zukschwerdt.

Mein Vater war u.A. an der Chirurgischen Klinik in der Ziegelstraße in Berlin tätig und er veröffentlichte in dieser Zeit auch.

Er war weiter an der Reichsuniversität in Straßburg tätig, dort veröffentlichte er zusammen mit Prof. Zukschwerdt. Dass er in Straßburg war kann aber auch mit seiner Tätigkeit im Amt für Wissenschaft und Forschung zu tun haben.

Bei den Nürnberger Prozessen war er Entlastungszeuge für Paul Rostock.

Chirurgische Klinik Ziegelstraße Berlin

Dazu ein Kommentar von Thomas Beddies in „Traditionsbruch ohne Neuanfang

Die I. Chirurgische Klinik der Berliner Universität war im „Dritten Reich“ eine Kaderschmiede für junge regimetreue Ärzte. Die Chirurgen profitierten von Verbindungen zum NS-Regime, zur SS und zur Wehrmacht. Hanskarl von Hasselbach, Karl Haase und vor allem Karl Brandt kamen als Begleitärzte Hitlers über ihre fachärztliche Tätigkeit hinaus zu erheblichem Einfluss. Wie unter einem Brennglas zeigt sich in der Klinik in der Ziegelstraße eine junge Ärztegeneration, die sich bedingungslos in den Dienst der nationalsozialistischen Sache stellte und dabei ethische und rechtliche Grenzen vielfach überschritt.

Reichsuniversität Straßburg

Die Reichsuniversität Straßburg, inoffiziell auch als „NS-Kampfuniversität Straßburg“ bezeichnet, wurde 1941 von den Nationalsozialisten im Elsass gegründet. Zum einen sollte eine Kontinuität zur deutschen Kaiser-Wilhelm-Universität, die vom Deutschen Reich getragen wurde, hergestellt werden, die zwischen 1872 und dem Versailler Vertrag existiert hatte. Zum anderen sollte Straßburg Zentrum der Westforschung werden. Diese sollte helfen, die westlichen Nachbarn an die neue europäische Ordnung zu binden und für die unter deutscher Führung entstehende Völkergemeinschaft zu gewinnen.

Amt für Wissenschaft und Forschung

Mit der Absicht alle vorhandenen Kräfte im Interesse der Nationalsozialisten und der Kriegswirtschaft zu Höchstleistungen zu treiben wurde eine Umbildung des 1937 geschaffenen Reichsforschungsrat (RFR) durch den Führer 1942 befohlen. Das repräsentative Organ dieser RFR war der ‚Präsidialrat‘ in ihm waren Reichsleiter Martin Bormann, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel sowie Professor Dr. Karl Brandt und dessen Vertreter Professor Dr. Paul Rostock

Durch einen Erlass Adolf Hitlers vom Juli 1942 über das Gesundheitsamt- und Gesundheitswesen sollte eine Optimierung des Reichsforschungsrat (RFR) durch den Führer 1942 befohlen. Das repräsentative Organ des RFR war der ‚Präsidialrat‘, in ihm waren Reichsleiter Martin Bormann, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel sowie Professor Dr. Karl Brandt und dessen Vertreter Professor Dr. Paul Rostock. Karl Brandt wurde zum ‚Generalkommissar für das Sanitäts- und Gesundheitswesen‘ und im August 1944 zum Reichskommissar und seine Dienststelle zur obersten Reichsbehörde ernannt.

Brand ernannt im Oktober 1943 Paul Rostock zu seinem Beauftragten für medizinische Wissenschaft und Forschung. Gleichzeitig sollte dieser ein ‚Amt Wissenschaft und Forschung‘ schaffen, welches die Aufgaben haben sollte, eine Zentralisierung und Optimierung der wissenschaftlichen Tätigkeit in Deutschland unter Kriegsbedingungen zu ermöglichen. Er bat Hans Zettel, den schon in Berlin für ihn arbeitete, ihm dabei behilflich zu sein.

Sitz der Dienststelle war zunächst zunächst Berlin NW, Ziegelstraße 5 bis 11 und ab dem Frühjahr 1944 Beelitz bei Berlin. Der Person Rostock als Wissenschaftler und Organisationstalent war es zu verdanken, dass dieses Amt arbeitsfähig wurde. Rostock und seine Mitarbeiter (in erster Linie Hans Zettel) waren bemüht, eine Übersicht über alle in Deutschland betriebenen Forschungen zu erarbeiten.

Im März 1945 wurde das Amt wegen des Vormarsches der roten Armee aus Berlin nach Bad Liebenstein in Thüringen verlegt. Hier fielen die gesamten Akten (die Rostock und Hans Zettel dorthin brachten) in die Hände der Amerikaner, die im Ärzteprozess in Nürnberg aber nicht freigegeben wurden. Rostock und Zettel flohen weiter nach Eisenberg und Garmisch. Dort wurden sie am 5.5.1945 gefangen genommen.

Assistent bei Professor Paul Rostock, genannt „Onkel Paul“.

Assistent bei Professor Heinz Kalk, den ich als Kind einmal kennenlernte.

Assistent bei Professor Ludwig Zukschwerdt, mit dem er in Straßburg veröffentlichte und auch wieder später als Assistent in Göppingen arbeitete.

Während des Krieges war mein Vater bei der Luftwaffe, Er war auch zur Stabsausbildung in den Niederlande, das genaue Thema und den Ort kenne ich nicht.

Einmal sollte er nach Stalingrad, was Paul Rostock verhinderte, da er ihn „vor Ort“ brauchte.

Aus Erzählungen weiß ich, dass er auch mit Karl Brandt bekannt war, was auch nachvollziehbar ist, da er mit Rostock am Aufbau des Amt für Wissenschaft und Forschung für Brandt arbeitete.

Er kannte neben Ernst Udet (Meine Mutter erzählte mir einmal, dass er hinten in seinem PKW eine Schnapsbar hatte und dass sie mit ihm persönlich verkehrten. Jedenfalls erinnere ich mich so.) auch Hanna Reitsch, Adolf Galland und Hans Hahn sowie Friedrich Luft, mit denen meine Eltern wohl auch privat bekannt waren.

Nach dem Krieg war er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft (2-3 Jahre?) und traf mit meiner Mutter und meinem 1943 geborenen Bruder in Sandhorst wieder zusammen, wo er im Krankenhaus lag.

Er war dann Klinikchef in Emden „Zwischen den Bleichen“ für drei Jahre.

In Emden war er bekannt mit Fritz Hellner, der in der Zeit 1942 – 1944 9 eugenische Sterilisationen durchführte,  Julius Steinbach, im März 1940 Kommandant im Abschnitt Wilhelmshaven, Hans Mälzer und Diedrich (?) Zimmermann, mit denen er Karten spielte und oft gemeinsam auf Borkum war.

Um 1950 ging er nach Göppingen zu Zukschwerdt auf eine halbe Assistenzarztstelle, angeblich um sich weiterzubilden.