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Richtig leben

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Das sagte einmal Theodore Adorno. In Neuengamme, bei einem Gesprächsseminar von Angehörigen von NS-Tätern, begriff ich, dass das definitiv so ist.

Der Aufenthalt in Neuengamme beinhaltet für mich die klare Botschaft, mich aus allem Falschen, Seichtem, Oberflächlichem und der so normalen Konvention zu verabschieden.

Dabei muss ich nicht wie die Eremitin in dem Film von Norbert Busè in die völlige Einsamkeit gehen. Ich sehe meine Verpflichtung aus meiner (Familien-) Geschichte gerade darin, in der Gesellschaft zu bleiben und darüber zu sprechen, was ich erkannt habe; mich also nicht zurückzuziehen; sondern im Einklang mit der Wirklichkeit zu leben zu suchen.

Ich muss niemanden bekehren, sondern einfach nur stimmig leben. Nicht zu reden bedeutet nicht nur schweigen zu können; es bedeutet auch, mich nicht ständig mit was auch immer abzulenken. Es bedeutet vor allem, wesentlich und wahrhaftig zu leben.

Niels Bohr hat erkannt, dass Realität nicht einfach ‚da‘ ist, sondern sie wird durch Beobachtung geschaffen. Was immer das auch bedeutet, es ist einer der Gedanken, denen es für mich auf den Grund zu gehen gilt, um sie zu verstehen um so die Realität zu gestalten, die stimmig ist, die also im Einklang mit der Wirklichkeit ist.

Es genügt nicht, das Richtige zu wollen, ich muss auch lernen zu verstehen, wie Realität überhaupt entsteht, damit das Richtige überhaupt entstehen kann. Das verlangt von mir vor allem, nicht zu bewerten und nicht zu urteilen. Letztlich verlangt es von mir, auf eine ganz andere Art und Weise zu denken als gewohnt.

Veröffentlicht in Allgemein

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