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Es betrifft mich selbst

Meine Aussage über Schuld, Unschuld und der Funktion in einem System betrifft auch mich selbst. Zwar in einem ganz anderen Kontext, aber auch ich habe als Anwalt und als Politiker eine Funktion in einem System gehabt. Und auch hier gab es „feine Verschiebungen in der Grundeinstellung“, wie es Leo Alexander genannt hat. Nur dass ich das große Glück hatte, dass die Auswirkungen eine ganz andere Dimension hatten.

Doch es war das identische Prinzip am Wirken: Eine kleine Verschiebung der Grundeinstellung. Etwas, das ich nicht hätte akzeptieren dürfen. Nur hatte ich das große Glück, dass ich letztlich in dem System nichts geworden, sondern gerade noch rechtzeitig „ausgestiegen“ bin. Aber nicht wirklich freiwillig oder weil ich gar erkannt hätte, was ich da tue.

Immer wieder fällt mir der Satz „Lass dich nicht verführen!“ aus einer der Aufstellungen ein; ein Satz, den ich lange nicht mit den Verschiebungen in meiner eigenen Geschichte in Verbindung gebracht habe. Und dies nicht wahrhaben zu wollen, ist nicht das der wirkliche Hintergrund, die eigentliche Motivation für meine Sehnsucht nach meinem Vater? Eine schlichte Ablenkung?

Es ist definitiv an der Zeit, aufzuwachen und mir einzugestehen, was war. Bei meinem Vater und auch bei mir selbst. Solange ich die Geschichte meines Vaters nicht klar sehe, werde ich wahrscheinlich auch meine eigene Geschichte beschönigen. Ich habe einmal gesagt, dass, wäre ich in der ehemaligen DDR geboren worden, ich mit meinem Machtinstinkt sicher bei der Stasi gelandet wäre.

Die Frage ist, ob ich mir wirklich eingestehe, wie ich war und vielleicht noch bin. Wie sagte doch Theodor W. Adorno? „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen.“

Seit Wochen liegt das Buch „Naked Presenter“ von Garr Reynolds auf dem Hocker unter meinem Schreibtisch. Genau so lange kreise ich drum herum. Es ist, als wäre darin eine Botschaft für mich darin. Dabei geht es nicht darum, wie ich mich präsentiere, sondern wohl mehr darum, ob ich sehen kann, wie ich wirklich war und bin.

In dem Vorwort beschreibt er die Bedeutung des japanischen Ausdrucks „hadaka no tsukiai“ – nackte Beziehung oder nackte Kommunikation. Sein Chef klärte ihn darüber auf, dass das japanische Bad ein wichtiger Teil des japanischen Lebensstils und das Ritual selbst auch eine gute Metapher für gesunde Kommunikation und gute Beziehung seien. „Durch gemeinsame Nacktheit sind wir ungeachtet unseres Status alle gleich“, sagt er. Es bedeutet, „sich freiwillig zu enthüllen und die nackte Wahrheit zu kommunizieren“.

Genau darum geht es. Sehen, wie ich war und bin.

Veröffentlicht in Allgemein

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