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Auf den Spuren zu mir selbst

Ich wusste jedoch nie genau, was es war. Als ich mit 68 an einer Karotisstenose erkrankte, wollte ich natürlich wissen, ob das immer noch mit der Geschichte meiner Familie zusammenhängt. Das Ergebnis der Aufstellung war ein eindeutiges „Ja“. Und endlich suchte ich ernsthaft. Und wurde fündig. Es war nicht mehr zu leugnen, mein Vater war ganz oben mit dabei.

Damit wurde mein eigentliches Dilemma offensichtlich: Wer war mein Vater überhaupt? Und was heißt das für mich? Was bedeutet es für meine Kinder? Und für meine Enkel? Das Bild, das ich von meinem Vater hatte, war in die Brüche gegangen.

Wie füge ich diese Bilder von ihm zusammen? Der glückliche junge Mann, der Täter sowie mein Vater. Eines weiß ich, das ist, alles zu tun, was mir möglich ist, damit diese menschenverachtende Haltung sich nicht wiederholt. Aber es genügt mir noch nicht, denn ich suche noch meinen inneren Ruhepunkt.

Ich kann meinem Vater in Gedanken zwar immer besser begegnen, ohne ihn zu verurteilen, sehe ich aber wie heute die Bilder, bringt mich das noch immer ins Stolpern.

Das muss ich einfach aushalten und aufhören, irgendetwas tun zu wollen. Es hört erst auf, wenn ich nichts mehr beabsichtige, nichts mehr managen will, sondern es akzeptiere. Ich muss aber auch wissen, was meine Eltern, meinen Vater verführbar und anfällig für eine menschenverachtende Ideologie gemacht hat.

Es geht nicht allein um die Ideologie, sondern vor allem darum, die winzigen Verschiebungen in den eigenen Einstellungen zu erkennen; kleine Verschiebungen, die sich wie bei meinem Vater zu einer Falle ausgewachsen haben, aus der er ganz offensichtlich nicht mehr herauskam.

Was ich gelernt habe, das ist, dass ich eine klare Ethik brauche, das allein kann mich (und andere) davor schützen, in die gleiche Falle zu geraten, eine Falle, die man sich selbst gestellt hat. Aus Eitelkeit, Geltungsbedürfnis, Karriere-Streben, Dabei-Sein und Dazu-Gehören.

Ganz „normale“ Dinge, Dinge, die regelrecht darauf aus sind, einen zu verschlingen, wenn man ihnen gegenüber nicht sehr, sehr achtsam und selbstkritisch ist. Fehlende Selbstkritik war wohl auch für meinen Vater das, was ihn letztlich unmenschliche Dinge hat tun lassen.

Veröffentlicht in Allgemein

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