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Ohne Urteil sein

Eine wirkliche Herausforderung. Aber ich weiß, dass dies der Weg der Lösung für mich ist. Jedenfalls explizit weiß ich das. Was mein Vater im sogenannten ‚Dritten Reich‘ getan hat, kann ich aus der gesellschaftlichen Perspektive sehen, so wie es in dem Zitat zum Ausdruck kommt:

Die meisten Ärzte hatten vorher nicht getötet, erst in der Nazi-Zeit erfolgte ihre Sozialisation zum Bösen, sagt Robert Ray Lifton. Von der Tochter eines NS-Arztes wurde er gefragt, ob er glaube, dass ein guter Mensch böse Dinge tun könne. „Ich denke schon„, antwortete Lifton, „aber dann ist er kein guter Mensch mehr.

Lifton vermutet, dass die meisten Mediziner auf ihre Profession vertrauten. „Doch Arzt sein ist nicht genug. Das ist ein vergebliches Hoffen auf einen ethischen Schutzmantel durch den Beruf.“, sagt Lifton. „Der logische Schritt – Ärzte sind Heiler, wir sind Ärzte, also sind wir auch Heiler – stimmte nicht mehr.

Die Folge war ein naturalistischer Fehlschluss. Was die Ärzte damals machten, war – und ist – eine unrichtige Aussage beziehungsweise Annahme über Wirklichkeit und eben keine Wertaussage. Das ist die andere Betrachtungsweise.

Mit der Aussage über Wirklichkeit kann ich mich auseinandersetzen, ohne meinen Vater zu bewerten oder zu verurteilen.

Veröffentlicht in Allgemein

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