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Werte und Wirklichkeit

In der Auseinandersetzung über das Dritten Reich geht es um Wirklichkeit – und nicht um Werte. Lange Zeit habe ich meine Eltern aus der Perspektive „Werte“ gesehen – und entsprechend beurteilt und damit über sie geurteilt. Wie überhaupt über viele, mit deren Handlungen ich nicht einverstanden war. Aber ich habe wenig oder auch überhaupt nicht über das nachgedacht, was sie wie viele andere auch für wirklich gehalten haben.

„Werte“ sind für uns wahr, weil wir sie empfinden, und deshalb ist es müßig, darüber diskutieren zu wollen. Über Wirklichkeit hingegen kann ich reden, das kann ich klären, sofern ich bereit bin, mich darauf einzulassen.

Wenn sich sehr viele Menschen darin einig sind, dass die Musik Beethovens gute Musik ist, dann kann das niemand entkräften; über Wirklichkeit hingegen kann ich sachlich reden – wenn ich dazu bereit bin. Wirklichkeit kann – und muss – ich validieren. So wie die Behauptung, dass die Juden die Ursache der Probleme Deutschlands waren, nur weil viele dies glaubten.

Das habe ich mit der Beschäftigung mit der Geschichte meiner Eltern gelernt – es geht in erster Linie um Wirklichkeit und gerade nicht um Werte. Darüber zu reden ist der einzige Weg, unheilvollen Entwicklungen zu begegnen. Denn Werte definieren sich ja nicht im luftleeren raum, sondern über das, was ich oder ein anderer für wirklich hält.

Bewerte ich, erreiche ich genau das Gegenteil, denn gegen Empfindungen komme ich nicht an. Über Wirklichkeit aber kann ich reden und auch argumentieren. Hier geht es ja gerade um die Auseinandersetzung darüber.

Veröffentlicht in Allgemein

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