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Ohne Zorn und ohne Eifer zu sein.

Das hat mir die Beschäftigung mit der Geschichte meiner Eltern beigebracht.

Aus den Aufstellungen, die ich gemacht habe, schließe ich, dass meine Eltern respektieren und anerkennen, dass ich ihre Geschichte offen gelegt habe, die ja auch ein wesentlicher Teil meiner eigenen Familiengeschichte ist.

Das ist für mich versöhnlich, ohne etwas zu ignorieren. Die Schwierigkeit ist für mich, dass wir nie darüber sprachen und ich es nur in den Aufstellungen erlebt habe.

Wo viele der früheren Täter noch immer vor Zorn und Wut nicht sehen konnten, was um sie herum war, vor allem wie sie selbst waren, haben sie wohl ihre Taten gesehen, sonst hätten sie mich nicht sehen können.

Das versöhnt mich auf gewisse Weise mit ihnen, auch wenn die Trauer bleibt, eine tiefe Trauer, die sich auf ihr Leben wie auch auf mein Leben bezieht.

Ohne Zorn und ohne Eifer sehen können, was ist; jedoch ohne es hinzunehmen, wenn ich etwas tun kann. Auf gewisse Weise ist dies zu dem Leitmotiv meines Lebens geworden.

Lange Zeit war Zorn gegen alles Falsche in mir, und ich bekämpfte es mit Eifer. Doch das nagte an meiner Seele, wenn es die gibt; es machte mich hart, auch gegen mich selbst.

Als Strafverteidiger war der Satz „Ich kann es verstehen (im Sinne von nachvollziehen), aber nicht akzeptieren!“ ein Standardsatz von mir, was aber nur meinen Zorn über das Falsche hinter der Maske des Verständnisvollen verbarg.

Eine TCM-Therapeutin hat es freundlich als ‚Strenge‘ bezeichnet. Ich sage mittlerweile, es hat mich hart gemacht. Also muss ich wieder weich, aber nicht sülzig werden.

Eines habe ich gelernt: So, wie es die Banalität des Bösen gibt, gibt es auch die Banalität des Guten: Ich kann lernen, auch in schwierigen Situationen das Richtige zu tun.

Das Böse und das Gute ist in jedem Menschen. Mein Vater, der sich im Dritten Reich schuldig gemacht hat, war ein Mensch, genauso wie Nelson Mandela. Die Frage ist, welcher Seite man sich und letztlich ich mich zuwende.

Doch dafür ist es notwendig, beide Seiten in sich anzuerkennen und sich klar für die Seite des Guten zu entscheiden.

Veröffentlicht in Allgemein

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