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Selbstwert

Selbstwert ist nicht mehr als ein Gefühl. Für mich ist das zwar Realität, wie auch für einen anderen, aber es ist keine Existenz, nichts was real existieren könnte. „Nur“ ein Gefühl. Aber verdammt mächtig.

Das kann gut sein oder auch nicht. Entscheidend ist, worauf es fußt. Von meinen Eltern habe ich gelernt, dass ein „Zettel“ selbstbewusst ist – und nicht selbstbewusst zu sein hat oder so etwas.

Ein „Zettel“ ist ganz einfach selbstbewusst. Sozusagen ein nicht zur Diskussion stehendes Faktum, so wie ich braune Augen habe. Das habe ich kommentarlos über- und angenommen.

Was bei mir zu einer heftigen inneren Diskussion führte. Zum einen definierte ich mich darüber, ein „Zettel“ zu sein, zum anderen wollte ich, wie mein Bruder immer sagt, mit der Familie nie wirklich etwas zu tun haben. Ein perfekter innerer Widerspruch. Das kann einen ganz schön aufreiben.

Jedenfalls mich. Genau das war der innere Widerspruch, der mich mein Leben lang im Griff hatte. Das brachte mir Erfolge und gleichzeitig auch berufliches Scheitern. Erfolg und Scheitern, untrennbar in mir verbunden.

Es wurde noch extremer, als ich erkannte, dass meine Vater im Dritten Reich nachweislich eine unrühmliche Rolle gespielt hat. Doch ich konnte ihn nicht loslassen. Was mir heute endlich klar geworden ist.

Weil ich mit seinem Namen identifiziert war. Die einzige Zeit, wo ich dieses Problem nicht hatte war im Internat und während des Studiums, da wir ich einfach nur Peter, meinen Nachname interessierte niemanden.

Das war die einzige Zeit, in der ich mich mit mir selbst identifizierte – und nicht über den Namen meines Vaters, von dem ich weiß, dass er Schuld auf sich geladen hat. Bis heute, denn heute ist mir klar geworden, dass ich mich die ganze Zeit über seinen Namen mit ihm identifiziert habe.

Ich weiß ja schon seit geraumer Zeit, das mein Vater sich im zweiten Weltkrieg und in der NS-Zeit mit Schuld beladen hat, aber ich kam nicht aus der Bindung an ihn heraus, weil ich ihm noch anhaftete. Über die Identifikation mit seinem Namen.

Also werde ich mir einen anderen Weg suchen, über den ich Selbstvertrauen und Selbstverständnis für mich gewinnen kann. Jedenfalls nicht mehr über seinen Namen.

Veröffentlicht in Allgemein

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